Von der Schokoladenseite und der Geraderichtung…

Wir starten direkt mal mit der Ausbildungsskala Punkt 5: GERADERICHTUNG…Danach folgt "nur" noch die Versammlung. In diesem Blogbeitrag geht es um die Hohle- und die Zwangsseite und warum das gleichmäßige Training auf beiden Händen so wichtig ist.


Um das zu verstehen, müssen wir erstmal die GERADERICHTUNG definieren. Laut FN ist das Geraderichten, dass gleichmäßige Gymnastizieren beider Körperhälften zum Ausgleichen der natürlichen Schiefe des Pferdes. Die natürliche Schiefe des Pferdes bedeutet, dass jedes Pferd eine mehr oder weniger stark ausgeprägte hohle Seite hat und damit auch eine mehr oder weniger stark ausgeprägte Zwangsseite. Dies ist angeboren, bereits Fohlen kommen mit einer hohlen Seite und einer Zwangsseite auf die Welt. Und nur weil das der Natur entspricht, ist es noch lange nicht gut. Insbesondere dann nicht, wenn wir das Pferd als Reittier nutzen wollen. Die hohle Seite ist die Seite, auf der das Pferd seine Muskulatur schlecht dehnen kann, die Muskulatur ist schlichtweg verkürzt. Daraus resultiert, dass ein rechts hohles Pferd seinen Rumpf nach links verschiebt und die Hinterhand hineinführt. Deshalb tritt ein rechts hohles Pferd mit dem rechten Hinterbein auch außen an der Spur des Vorderbeins vorbei, dabei geht Schubkraft verloren und das Pferd muss dies auf seiner Zwangsseite (in meinem Beispiel links) kompensieren. Für ein links hohles Pferd gilt dies entsprechend Seitenverkehrt.


Ein geradegerichtetes Pferd bewegt sich hufschlagdeckend. Das bedeutet, dass die Beckengliedmaße in die Spuren der Schultergliedmaße fußen, sowohl auf geraden als auch auf gebogenen Linien. Wenn euer Pferd dies kann, dann ist es in der Lage seine Muskulatur gleichmäßig aufzubauen, das Gewicht gleichmäßig zu verteilen und seine Schubkraft zu optimieren. Dies erhält das Pferd gesund, beugt trainingsbedingten Verletzungen vor und schützt vor vorzeitigem Verschleiß.


Übungen für die Geraderichtung:

Vorweg: Geraderichtung wird von hinten nach vorne erritten und nicht von vorne korrigiert.

1. Reiten auf gebogenen Linien:

Zirkel, Volten, Achten, Schlangenlinien... Schritt, Trab, Galopp...

Klingt einfach, ist es auch! Achtet auf mehrmalige Handwechsel und eine aktive Hinterhand. Auf den gebogenen Linien ist euer Pferd gezwungen die Hankenbeugung auf dem inneren Hinterbein zu verstärken. Wechselt ihr nun die Hände regelmäßig, trainiert ihr auch beide Seiten gleichmäßig.

2. Zulegen und Einfangen:

Tempowechsel fördern die Hinterhandaktivität, eine aktive Hinterhand führt zu vermehrtem Schwung und fördert so die Geraderichtung.

Übrigens kann man auch diese Übung in allen drei Grundgangarten durchführen.

3. Reiten in Konterstellung:

Stellt euer Pferd an den gebogenen Linien nach außen. Auch hier gilt: erst im Schritt, dann im Trab und für die Profis, auch gerne im Galopp. Immer wenn die hohle Seite eures Pferdes innen ist und ihr es in Konterstellung stellt, nehmt ihr ihm die Möglichkeit in seine Kompensationshaltung zu verfallen. Ihr schiebt den Rumpf in die Richtung der hoheln Seite und sorgt so dafür, dass euer Pferd geradegerichtet ist.


Achtet bei allen Übungen darauf, dass ihr weder euch noch euer Pferd überfordert! Diese einfachen Übungen lassen sich zwar super zu Hause umsetzen, aber ihr solltet nicht unterschätzen, wie anstrengend das für eure Pferde ist. Nicht umsonst ist die Geraderichtung Punkt 5 von 6 auf der Ausbildungsskala.


Die natürliche Schiefe des Pferdes ist sehr individuell und von kaum merkbar bis sehr massiv ausgeprägt. Sollte sich die hohle Seite eures Pferdes verstärken- das merkt ihr in der Regel daran, dass euer Pferd auf seiner Schokoladenseite immer besser wird, aber im Verhältnis auf der Zwangsseite eben nicht- solltet ihr einen Pferdetherapeuten eures Vertrauens zu Rate ziehen. Häufig handelt es sich nur um eine leichte Blockade oder eine muskuläre Dysbalance, die zu vermehrten Kompensationsbewegungen führt.



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